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Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht - zur "Antigone" des Sophokles

norberto42 | 05 November, 2009 20:48

Da ich in den letzten Wochen intensiv an einem Lehrerheft zur "Antigone" des Sophokles gearbeitet habe, habe ich mich auch umgeschaut, was die anderen denn für handlungs- und produktionsorientierte Vorgehensweisen vorschlagen.

Außer dem in Süddeutschland favorisierten Fotoroman findet man wenig, einige Ausstellungen und gelegentlich eine Aufführung, dazu einige (kurze!) filmische Interpretationen. Was man jedoch findet, sind die vermeintlich produktiven 08/15-Methoden: Ismene schreibt Tagebuch, Antigone schreibt einen Brief an Eurydike ...  

Beide Vorschläge passen nicht zur griechischen Tragödie: Die Figuren sind nicht psychologisch konzipiert, haben praktisch keine Vorgeschichte (außer den wenigen "Fakten" des Familienunheils) und sprechen nur öffentlich miteinander. Ismene ein Tagebuch schreiben zu lassen zeigt, dass die Aufgabenstellung einer produktionsorientierten fachlichen Inkompetenz entstammt. Und der Brief an Eurydike erst - von dieser Dame weiß man nichts, aber wirklich auch gar nichts, außer dass sie Kreons Frau und Haimons Mutter ist: Sie ist reine Funktion. Von einem Verhältnis Antigones zu ihr weiß man nichts, selbst vom Verhältnis Antigones zu Haimon weiß man nichts - sie ist seine Braut, ja, aber vor allem ist sie eine Braut, der durch den Tod die Ehe und Mutterschaft verweigert wird. 

Lassen wir die Figuren doch zuerst "fremd" sein, ehe wir in gutgemeinter Schülerorientierung sinnlose Aufgaben stellen! Es gibt durchaus sinnvolle produktionsorientierte Aufgaben zu dieser Tragödie - aber dazu muss man sie kennen, sie verstehen, statt im alten Strickmuster bloß die Namen auszutauschen! Wie solche Aufgaben lauten? Das kann man in meinem Lehrerheft "Antigone" (Krapp & Gutknecht) nachlesen.   

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