Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)
norberto42 | 17 August, 2009 10:46
„Vor uns liegt ein: Ein Baby. Dieses Baby braucht ganz viel Aufmerksamkeit und die kriegt es auch, schließlich erzählt es uns ununterbrochen von seinen Wünschen. (...) Nächstes Jahr wird das Baby 30 Jahre alt.“ So beginnt Joey Goebel (USA) seinen Aufsatz „Baby für immer“ (SZ 17. August 2009, S. 15)
Meredith Haaf, eines des Alphamädchen, 26 Jahre, hat im SZ-Magazin vom 13. August 2009 (S. 8 f.) einem Artikel („Hilfe, die Welt will was von uns“) den Untertitel gegeben: „Sie sind ängstlich, lieb und unfähig, Verantwortung zu übernehmen – was ist bloß mit der Generation der 25-Jährigen los?“
Ich würde Meredith Haaf antworten: Ihr seid falsch erzogen worden. Weil man euch nicht Grenzen gesetzt hat, konntet ihr euch nicht an den Erwachsenen (Lehrern, Eltern) reiben; die wollten eher „geliebt“ werden, statt ihr breites Kreuz hinzuhalten und auch mal NEIN zu sagen. Und weil eure Bedürfnisse sofort „befriedigt“ werden mussten, habt ihr nicht gelernt, dass Aufschub der Bedürfnisbefriedigung eine kulturelle Norm und Voraussetzung vieler Leistungen ist.
Ich erinnere hier nur kurz an mein Lied vom „Durchlauferhitzer“ und meine Weigerung, Schüler alle Nasen lang zum Klo rennen zu lassen, weil sie angeblich pippen „müssen“ (statt in der Pause zu gehen, wenn dafür Zeit ist, und nicht fortwährend zu trinken, was wir als Schüler auch nicht getan haben). Im Lehrerfreund wurde als selbstverständlich unterstellt, dass ich meine Äußerung nicht wörtlich meinte – Irrtum, ich meinte sie ganz wörtlich! Der Witz ist, dass sich selbst solide Lehrer anscheinend schon nicht mehr vorstellen können, dass man um der Konzentration willen nicht erlauben darf, dass alle fortwährend pippen, rotzen, Bonbons essen, das Hemd ausziehen, mit den Zehen des Nachbarn spielen, fummeln oder sonst was tun.
In der Kölner Philharmonie wird erwartet, dass zwei Stunden lang kein einziges Bonbonpapier raschelt – vielleicht können wir von Schülern erwarten, dass sie nur in der Pause zum Klo gehen? Vielleicht sollten wir überhaupt mal überlegen, was wir selber dafür tun (und vielleicht noch mehr: unterlassen) müssen, dass unsere Kinder nicht ewig Kinder bleiben?
Frank Mackay | 17.08.2009, 23:26
N. Tholen | 26.08.2009, 16:02
1. Es war von vielen Kindern die Rede, nicht von Meredith.
2. Winterhoff kenne ich nicht.
3. Mir ging es eigentlich darum, dass viele Kinder von ihren Müttern überbehütet werden und dass man ihnen die nötigen Erfahrungen, erwachsen zu werden, aus Sorge vor ... vorenthält.
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Wahrscheinlich hindern Erwachsene die Kinder nicht am erwachsen werden und das Bsp. zeigt doch, Meredith ist angekommen in der SZ... Und was ihr hier gesagt wurde, klingt nach Winterhoff (Warum unsere Kinder Tyrannen werden) und dessen Thesen haben Wahrheiten, wenn man allgemein schreibt, dass Kinder Vorbilder, Orientierung und Erziehung brauchen. Aber seine verunsicherte Leserschaft (auch gerne Lehrer, wie ich erfahren durfte) ist nur ein Teil von Erziehungsberechtigten. Was machen die anderen? Machen sie es "richtig"?
Zum Thema Oper/ klassisches Konzert und dem Besuch dort mit einer Schulklasse, es kann peinlich werden, wenn es wie im Kinosaal zugeht...