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Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)

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Klanggestalt und Satzmelodie, Intonation und Prosodie

norberto42 | 15 April, 2008 20:37

Intonation und Prosodie werden im Wesentlichen synonym gebraucht; sie bezeichnen die lautlichen Qualitäten einer Äußerung (eines Satzes). Früher war die Kenntnis dieser Faktoren eine Frage persönlicher Kompetenz, heute sind sie Gegenstand der Forschung. So hatte der Duden „Grammatik“ in der 4. Auflage (1984) das Kapitel „Die Klanggestalt des Satzes“; es fehlte in der 6. Auflage (zugunsten eines Kapitels über den Text); in der 7. Auflage (2005) steht wieder ein allerdings schwer lesbares Kapitel über Intonation, die nur unter dem Aspekt der Tonhöheneigenschaft analysiert wird. In der Schule bzw. den Schulgrammatiken fehlt das Thema beinahe ganz; der Schülerduden Grammatik widmet ihm in der 4. Auflage einen Abschnitt, nämlich [13]. Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache, 10. Auflage 1990, hat das Kapitel „Satzakzentuierung und Intonation“ (S. 150-164); die „Grundzüge einer deutschen Grammatik“ (Berlin 1980) haben als Kap. 6: „Phonologie: Intonation“ (S. 839 ff.), mit den Phänomenen: Hebung/Senkung der Stimme, Gliederung (Pausen), Rhythmus, Betonung. 

Für das Verständnis sprachlicher Äußerungen in der Schule scheint es mir auf der Hand zu liegen, dass die sprachliche „Realisierung“, also das Erproben der Möglichkeit, Äußerungen zu sprechen, den Vorzug vor jeder Art von nichtsprachlicher Darstellung in Standbildern und ähnlichen Versuchen verdient. In der Realisierung probiert man, was sich sprachlich vertreten lässt: was sich wie anhört; erst wenn man das verstanden hat, kann man zusätzlich ein Standbild bauen. Die Hilflosigkeit von Schülern, mit ihrer Stimme Äußerungen zu realisieren, ist im Allgemeinen so groß [vgl. diese Seite eines Kollegen!], dass die netten Standbilder zu bauen mir wie eine Flucht vor der Aufarbeitung sprachlicher Inkompetenz erscheint. - Zumindest bei der Analyse von Gedichten habe ich gefordert, dass man das Gedicht als sinnvolles Klanggebilde verstehen muss, und habe dem „Rhythmus des Gedichtes“ analytische Aufmerksamkeit geschenkt.

[GULP zur Standbild-Frage
Das stetig zunehmende Interesse an Körpersprache ist leider oft einseitig gefärbt: Man glaubt, anhand eines bestimmten körpersprachlichen Signals sein Gegenüber zu durchschauen. Jeder kennt diese allgemeinen Interpretationen:     

      Arme verschränkt = Verschlossenheit und Ablehnung;
      An der Nase reibend = Zweifel hegend;
      Beine übereinandergeschlagen beim Sitzen = Verspannung usw..

Das jedoch ist naiv und eindimensional – eine solche Betrachtungsweise vernachlässigt die wichtigen Zusammenhänge zwischen Körpersprache und der jeweiligen Situation, in der sie auftritt, die Beziehung der beiden Kommunikationspartner zueinander sowie die Bedeutung der sie begleitenden gesprochenen Sprache.
Körpersprache ist nur in Handlungs- und Kommunikationszusammenhängen zu verstehen.
]

 

Unter den Stichworten 'Intonation, Satzmelodie, Prosodie' habe ich am 15. April 08 bei google folgende Links gefunden:
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/phonetik/Lehre/koVo/koVoAkt/05-06/5078/Skript-Intonation.pdf
http://www.logox.de/support/manual/logox4speechtagsintonation.htm
http://semanticsarchive.net/Archive/jI0OTk3O/buring.ids2005.pdf
http://cornelia.siteware.ch/phonetik/ (Links phonet. Themen, 2005)
http://books.google.de/books?id=KRX48hwNCboC&pg=PA84&lpg=PA84&dq=Intonation+Satz 
http://www.eleasoftware.com/voltrova/mv_Phonetik.htm (Phonetik und Phonologie in der dt. Sprache)
http://www.germsem.uni-kiel.de/hundt/material/2007-sose/VL5_GRAMEINFSATZ.ppt
www.zas.gwz-berlin.de/pr/lndw2003/ZASTonMusik.pdf (Satzmelodie: Beispiele)
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/03/betonung
http://www.spz.tu-darmstadt.de/projekt_ejournal/jg-12-2/docs/Graffmann.pdf
www.mpg.de/pdf/jahrbuch_2002/jahrbuch2002_043_054.pdf (wie wir Sprache verstehen: Hirnforschung)
http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/ling/lg_system/phon/15_Prosodie.html
deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=968327915& dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=968327915.pdf (prosod. Fokus: eine Diss)
An der Uni Kiel gibt es ein eigenes Institut für diese Fragen; zur Klangform des Gedichts habe ich einen Aufsatz geschrieben.

Nachtrag nach dem in den vier Kommentaren geführten Gespräch mit Christian: 
Zur Frage, wie man die Bedeutung eines Satzes ermittelt, schreibt Wilhelm Schmidt (Grundfragen der deutschen Grammatik, 4. A. 1973, S. 313/15, über die Mitteilungsperspektive des Sprechenden):
„In der Verbindung des Bekannten mit dem Neuen besteht eigentlich das Wesen jeder sprachlichen Kommunikation. (...)
Der Kennzeichnung des Bekannten und des Neuen dienen schon die Satzbaupläne. (...)
Das andere entscheidende Mittel zur Geltendmachung der Mitteilungsperktive ist die Intonation.“ [bei Schmidt gesperrt]  
   W. Admoni: Der deutsche Sprachbau, 4. Aul. 1980, S. 217, zählt Stimmführung und Betonung zu den sieben syntaktischen Formmitteln:
„Die Stimmführung ist das universalste Mittel, die Abgeschlossenheit des Satzes zum Ausdruck zu bringen (...). Die Intonation dient auch dazu, die Satzarten vom Standpunkt ihrer kommunikativen Aufgabe aus zu differenzieren. (...) Die Betonung wird auch zu dem Zwecke verwendet, die Glieder des Satzes, die logisch und emotional besonders wichtig sind, hervorzuheben.
   Auf dem Boden der Kenntnis von Sprache kann man deshalb sagen, dass beim Textverstehen der Gedanke einer vorsprachlichen Ermittlung der „Haltung“ einer Person völlig abwegig ist - die Haltung ist eine Hilfskonstruktion, welche es dem Lehrer bzw. Schülern ermöglicht, durch Vermutungen eine Textbedeutung zu konstruieren, wobei auf ein methodisch geleitetes Verstehen von Text verzichtet wird. Erst nach dem Sprechen, also nach der Erprobung sinnvoller Intonation kann die so intonierte Äußerung auch körperlich veranschaulicht werden.  
  Christian hat nun Scheller zitiert, der ausdrücklich von sprachlich weniger kompetenten Schülern gesprochen hat; darauf antworte ich Zweierlei: a) Diese Schüler sollen sich eine Verfilmung oder die Aufzeichnung einer Aufführung von Dramen anschauen und danach selber Standbilder bauen; bei anderen Textsorten wird es schwieriger. b) Als gymnasialer Pauker, der ich bis in die Knochen bin oder war, kann ich auf primär sprachliche (!) Methoden des Verstehens nicht verzichten - meine Schüler sollten immerhin studierfähig werden, also auch komplexe Texte lesen und schreiben können.

[Zur Problematik von 'Haltung' vgl. meine Ausführungen zu 'Motiv'!] 

Viele Kollegen, die am Gymnasium Deutsch unterrichten, sind aber nicht in der Lage, die Schüler zu einem methodisch sauberen sprachlichen Verständnis von Texten anzuleiten, siehe die Kommentare von Schülern zu meinen Aufsätzen über die Inhaltsangabe (Schreiben: Aufsatz) und die Methode der Gedichtanalyse (Methodisches). Damit - das sei ausdrücklich vermerkt - ist hier nicht Christian gemeint, den ich ja nicht kenne, sondern es sind Kollegen gemeint, die ich (manchmal allzu gut) kenne. Ich kenne eine charmante Kollegin, die den Schülern in Klasse 5 beigebracht hat: Die Stellung der Satzglieder im Deutschen ist S-P-O (ehrlich, ich habe das selbst im Regelheft der Schüler gelesen, welches sie bei der Kollegin angelegt hatten!). Und wenn man solche Schüler als Nachfolger charmanter Kolleginnen übernimmt, hat man als Lehrer ein Problem...

Ein kleiner Fund:
Karl von Lyncker, 1780/84 Page am Weimarer Hof, berichtet in seinen Erinnerungen vom Superintendenten Herder: „Er hielt seine Predigten ohne irgend eine Bewegung der Hände. Allein seine wohltönende Aussprache und seine große Kunst der Betonung gaben ihnen volles Leben und Wirksamkeit.“ (N. Oellers - R. Steegers: Treffpunkt Weimar, Stuttgart 1999, S.49 - übrigens ein fabelhaftes Buch, das man wie einen Roman herunterliest)

Neues P. S.
Am 3. Januar 2009 habe ich im Stadttheater Mönchengladbach „Dantons Tod“ gesehen. St. Just hatte ich mir zuvor als einen wilden Revolutionär vorgestellt; in MG trug er seine große Rede (II 7) im Stil eines Geistlichen vor, der erbaulich mit pastoralem Tonfall das Morden rechtfertigt - dazu passte dann eine ruhige, nichtssagende Körperhaltung. Das primäre Ausdrucksmittel war zweifellos die Stimme, der Tonfall.

Vgl. auch den älteren Aufsatz über Betonung

Kommentare

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Christian | 16.04.2008, 20:46

Ingo Scheller schreibt: "Daß das szenische Spiel als Lernform gerade Schülern entgegenkommt, die weniger gelernt haben, ihr Handeln und Denken unabhängig von der konkreten Interaktiossituation abstrakt begrifflich zu hinterfragen, liegt auf der Hand." (in: Scheller, Ingo (1987) Erfahrungsbezogener Unterricht. Berlin, S. 193).
Standbilder sind eine Form des szenischen Spiels. Nun kann man ja auch mit diesem Zitat argumentieren, dass gerade die NICHTSPRACHLICHE Interpretation über das Standbild überhaupt erst die VORAUSSETZUNG bildet für die sprachliche Ausgestaltung. Erst das körperliche Begreifen, das Visualisieren von Haltungen und Beziehungen sowie dessen Besprechung ermöglicht ein vertieftes Verständnis und damit auch den Schülern die Möglichkeit, die Stimmführung dementsprechend anzupassen. In der Besprechung des Standbildes wird aufgezeigt, welche Emotion, welches Gefühl mit einer bestimmten Haltung verbunden ist und anschließend erprobt, wie sich diese Haltung über die Stimme (und nicht den Körper)ausdrücken lässt.

Auf diesen Seiten wird oft der Eindruck erweckt, dass der Autor Standbilder für neumodischen Firlefanz hält. Sollte dem so sein, empfehle ich obiges Buch, welches sehr intelligent die Methode darstellt und aufzeigt, wie sich damit auch INHALTLICH TIEFGRÜNDIGER Unterricht machen lässt. Sollte mein Eindruck täuschen, dann empfehle ich es trotzdem.

Kommentar Icon Standbilder

Norbert | 16.04.2008, 21:43

Die Logik, dass Standbilder Voraussetzung für eine sprachliche Erschließung sein sollen, leuchtet nicht ein:
1. Scheller geht es um die (Un)Fähigkeit der Schüler, "ihr Handeln und Denken unabhängig von der konkreten Interaktiossituation abstrakt begrifflich zu hinterfragen"; im Unterricht geht es aber um die Fähigkeit, f r e m d e Äußerungen zu verstehen.
2. Und w a s soll szenisch dargestellt werden - der pure "Inhalt", jenseits allen sprachlichen Handelns? Und wie überprüfe ich, ob die Darstellung "richtig" ist - außer an der Sprache? Ne, das tut's nicht! Außerdem wollte ich Äußerungen sprachlich realisieren (!), ehe ich sie begrifflich analysiere.
In der Tat halte ich die Standbilder, die ich gesehen habe, für modischen Firlefanz (z.B. zur Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar"): Was da alles an sprachlichen Nuancen untergeht und auch nicht erfasst werden k a n n, ist enorm.
Was ich als Lehrer an Rollenspielen aus Fortbildungen kenne, waren auch Faxen: Das Spielen ist als solches derart bewusst (und auch künstlich), dass Emotionen ausblieben und neue Erfahrungen nicht gemacht wurden.

Vielen Dank für den Hinweis auf Scheller, den Namen kannte ich; aber ich werde ihn nicht lesen, da ich 66 und inzwischen pensioniert bin. Eine der Erfahrungen der 66 Jahre ist: Didaktische Moden kommen und gehen (wie wissenschaftliche Moden), aber es muss trotzdem solide unterrichtet werden: Ich erinnere mich ans Sprachlabor, ans Hinterfragen, an die Bottroper Protokolle, den restringierten Code und die Hessischen Rahmenrichtlinien, an Lernzieldimensionierung und -hierarchisierung, an programmiertes Lernen, an die Mengenlehre, an die Vereinfachte Ausgangsschrift, an mindmaps und tausend andere Sachen...- und alle dienten unfehlbar der pädagogischen Erlösung! Die Moden nehmen kein Ende, frei nach Kafka; aber du musst trotzdem solide unterrichten.

P.S.
Ich bekenne eine menschliche Schwäche: Ich kann mir manche Seitenhiebe einfach nicht verkneifen - aber du, Christian, solltest (auch) das Anliegen des Aufsatzes beachten: Sprache versteht man im Sprechen.
Könnte man meine Antwort hier in e i n e m Standbild ausdrücken?
Könnte man meine Kritik an der didaktischen Moden-Sucht in einem Standbild ausdrücken?

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Christian | 17.04.2008, 09:20

"Könnte man meine Antwort hier in e i n e m Standbild ausdrücken?"

Nein, aber die Haltung die dahintersteht könnte man mit einem Standbild darstellen.

"Könnte man meine Kritik an der didaktischen Moden-Sucht in einem Standbild ausdrücken?"

Inhaltlich nicht, aber wie gesagt: die ablehnende Haltung.

"Und w a s soll szenisch dargestellt werden - der pure "Inhalt", jenseits allen sprachlichen Handelns? "

Nein, der Inhalt nicht. Eher die Beziehungen, Bedeutungen und Haltungen, die damit verbunden sind. Das wird dann analysiert. Stimmt die Darstellung? Lässt sie sich mit Hilfe des Textes belegen? Etc.

"Und wie überprüfe ich, ob die Darstellung "richtig" ist - außer an der Sprache?"

Ob etwas "richtig" ist, kann ich sowieso nicht prüfen. Eher ob es stimmig ist. Ob die Darstellung schlüssig ist, oder der Textaussage gänzlich widerspricht. Mit dem Wort 'richtig' bin ich vorsichtig geworden, da ich nicht der Meinung bin, die Deutungshoheit für mich gepachtet zu haben.

"Außerdem wollte ich Äußerungen sprachlich realisieren (!), ehe ich sie begrifflich analysiere."

Ja, meine ich doch. Nur dazu muss erst einmal erarbeitet werden, welche Haltung denn dahintersteht.

"Was da alles an sprachlichen Nuancen untergeht und auch nicht erfasst werden k a n n, ist enorm."

Ich behaupte ja nicht, das Standbilder die unterrichtsmethodische eierlegende Wollmilchsau sind, aber die totale Ablehnung und Vergrießgramung gefällt mir auch nicht. Sie haben aber den entscheidenden Vorteil, dass sie neben dem rein kognitiven Gedächtnis auch ander Gedächtnisformen aktivieren (Körpergedächtnis, emotionales Gedächtnis) und die SuS dadurch das wenige, was damit erarbeitet werden kann, langfristiger abspeichern.

"Didaktische Moden kommen und gehen ... aber es muss trotzdem solide unterrichtet werden"

Eine neue Methode einzusetzen heißt ja nicht, unsoliden Unterricht zu machen. Man muss sie eben nur sinnvoll anwenden. Eben so, dass solider Unterricht dabei rauskommt. Und das geht.

"Vielen Dank für den Hinweis auf Scheller, den Namen kannte ich; aber ich werde ihn nicht lesen, da ich 66 und inzwischen pensioniert bin."

Habe es auch mehr für die Leser dieses Blogs gemacht.

"Sprache versteht man im Sprechen."

Nein, die Bedeutung von Sprache wird immer miterzeugt von anderen Formen der Kommunikation: Gestik, Mimik, Tonfall, Körperhaltung, etc.: "Man kann nicht nicht kommunizieren" (Watzlawick). Und auch wenn ein literarischer Text auf diese Formen nicht zurückgreifen kann, so kann man diese im Unterricht trotzdem wieder mit dem Text verbinden und ihn damit vielfältiger semantisieren und die eigentliche Bedeutung herausarbeiten.

Kommentar Icon Bedeutung

Norbert Tholen | 17.04.2008, 10:46

Das Problem liegt in dem Satz: "Nur dazu muss erst einmal erarbeitet werden, welche Haltung denn dahintersteht."
Die zwischen uns strittige Frage ist doch, wie denn diese 'Haltung' erkannt werden kann [obwohl 'Haltung' zu wenig ist, um einen größeren Text zu verstehen]. In der unmittelbaren Begegnung mit Menschen spielen natürlich auch nonverbale Signale eine Rolle [obwohl sie gar nicht so eindeutig sind, wie wir das gern hätten, vgl. in der Sozialpsychologie das Stichwort 'Attributionstheorie'!], aber im Unterricht stehe ich vor Texten - und da bleibe ich dabei, dass man eine Äußerung primär im Sprechen versteht. Christians Argumentation läuft darauf hinaus, dass Analphabeten ein Drehbuch (über die 'Haltung') verständen, wenn sie einen Stummfilm spielten.
Die traditionelle Grammatik hat sogar weithin die sprachliche Intonation wenig beachtet; mein Vorstoß ist doch der, dass ich auf diese außersyntaktische Bedeutungsquelle hinweise. Diese "Quelle" steht dem Text näher als die Körperhaltung usw.; ich will ja nicht leugnen, dass diese auch etwas sagt, wenn man Bedeutung richtig oder stimmig verkörpert. Aber primär... und die Bedeutung einer Äußerung überhaupt erst erfassend ist die sprachliche Gestaltung/Analyse.

Man müsste das Problem am Beispiel durchspielen; unser Theoretisieren hängt von so vielen ungenannten Voraussetzungen ab, dass es schwierig ist, sich zu verständigen, wenn man darüber kein Buch schreiben will.
Als Lehrer habe ich oft versucht, gerade dramatische Texte den Schülern im Sprechen vorzuführen.
Da bleibt auch die Geschichte der Begegnung, also die Szene, erhalten, welche im Standbild auf einen Moment eingefroren wird... und damit bin ich schon wieder bei der Theorie.
Noch ein Problem der 'Haltung': Oft sind unsere Einstellungen ambivalent, nicht eindeutig; wie gut kann man Ambivalenz darstellen, und wie kann man sie in einem Text vor- oder außersprachlich erfassen?
Vielen Dank für die geduldige Argumentation!

Unter den Stichworten 'Attribution Mimik' findet man: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/gendermainstreaming/reader/ii_handlungsfelder/ii_3_heilmann.pdf http://www.uni-erfurt.de/kommunikationswissenschaft/forschungsprojekte/WaKo3D_Web/Texte/06_Sprechen/Zusammenfassung/zusammenf_module_01_06.htm http://www.cpw-online.de/lemmata/mimik.htm (sehr knapp, wenig skeptisch) http://www.jochen-fahrenberg.de/uploads/media/Differentielle_Psychologie_und_Persoenlichkeitsforschung.pdf (sehr differenziert)
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