norberto42

Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)

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Mind-mapping vs. Gliederung anfertigen

norberto42 | 08 Januar, 2008 20:23

„Metaphern und Analogien bringen, indem sie disparate Kontexte zusammenfügen, neue Einsichten hervor. Fast all unser Wissen, einschließlich des wissenschaftlichen, ist metaphorisch. Deswegen auch nicht absolut. (...)Datenmengen könnten ohne relevantes Organisationsprinzip oder geeignete Hypothese nicht zu Wissen gemacht werden. Solche isolierten Datenmengen können also keine Differenz verursachen [d.i.: eine Frage hervorrufen, N.T.]. Die Fähigkeit, eine gute Frage zu formulieren, entspricht in diesem Sinn dem Entwickeln eines Experiments in der Physik.“
Joseph Weizenbaum
: Wir gegen die Gier, SZ 8. Januar 2008, S. 13

Die klugen Äußerungen J. Weizenbaums lassen mich kurz etwas zur allseits beliebten Methode des mind-mappings sagen. Diese Form der Sammlung von Einfällen hat als solche ihren Wert, also als Ideensammlung; sind die Ideen einmal notiert, kann man sich zu Assoziationen anregen lassen... Man kann auch ein paar Pfeile zeichen, um mögliche Zusammenhänge zu bezeichnen -aber dann fängt erst das richtige Denken an: Diese Zusammenhänge müssen gedacht werden, müssen benannt werden. Zusammenhänge werden nicht durch einen PFEIL gedacht, sondern in einem SATZ; Stichworte sind keine Gedanken, sondern ANREGUNGEN zu Assoziationen.Das heißt: Nach Erstellung der mindmap muss eine Gliederung angefertigt werden, indem ein relevantes Organisationsprinzip die verschiedenen Stichworte zu einem Gedankengang organisiert, welcher die Antwort auf eine Frage darstellt. Was „gliedern“ heißt und wie das geht, kann man unter der Kategorie „Schreiben - Aufsatz“ in http://norberto42.kulando.de nachlesen.

Hier einige Links von eTools zum Mindmappen:
http://www.zmija.de/mindmap.htm
http://www.mind-mapping-seminare.de/ausstellungsseite.html
http://www.lernen-heute.de/mind_mapping.html
http://www.zeitzuleben.de/artikel/denken/mindmapping-erstellen.htmlhttp://www.teachsam.de/arb/krea/krea_mindm_0.htmhttp://www.medamind.de/anwendungen/2008/free-your-mind-subjektive-mindmap-kritik/#comment-903 

Ich kann nur davor warnen, sich aufs Mindmappen zu beschränken, auch wenn das Wort so modern klingt - ich warne vor dieser Beschränkung, weil es bloß schön einfach ist, Stichwörter zu sammeln, bunte Bildchen zu malen und danach nicht mehr zu denken, d.h. nicht mehr zu rechtfertigen, warum man um einige Wörter Kreise malt, und nicht mehr zu überlegen, ob eine andere Einteilung nicht besser wäre oder nach welchem PRINZIP man seine Kreise gemalt hat und ob es dazu keine Alternativen gäbe - kurzum das zu tun, was man bei einer ordentlichen GLIEDERUNG leistet.
Ich erinnere an meine Regel von den vier S beim Aufsatzschreiben:
suchen, sammeln, sortieren, schreiben. Mindmappen hört dagegen entweder mit dem Sammeln auf oder belässt es bei einem unreflektierten Sortieren.

P. S. Beispiel für eine missratene mind map: „Gestik“ steht neben „Gebärdensprache“ (ist aber nur ein anderes Wort): http://beat.doebe.li/bibliothek/w01134.html   
Auch sonst könnte man zu dieser mind map noch einiges sagen! 

Kommentare

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Markus Märkl | 08.01.2008, 22:14

Ich kann mich nur anschließen. Ich führe das MindMapping als Methode in der 5. ein (gerade in Religion zum Thema Entstehung der Bibel als Zusammenfassung eines längeren Textes). Mir ist es dabei wichtig, den Schülern eine weitere Methode an die Hand zu geben, die ihrem Lerntyp eventuell eher entspricht. Ansonsten stehe ich MM eher kritisch gegenüber - der Durchbruch an Übersichtlichkeit und Lernfreude ist damit lange nicht geschafft. Für die Erörterung ist sie - individuell - ein Ersatz für die Stoffsammlung. Die saubere Gliederung ist aber das A&O in der Erörterung.

Kommentar Icon Methodenvergleich

Thorsten Schönbohm | 04.02.2008, 22:39

Hallo Norbert,
ich habe die Mind-Map-Methode mit einer anderen Methode in meiner Examensvorbereitung ausprobiert. Die MM-Methode soll ja auch Wunder in bezug auf Prüfungsvorbereitungen bewirken. Mein Selbstversuch ergab aber etwas anderes. Genau wie in Deinem Artikel beschrieben besteht die Gefahr nur schöne Bildchen zu malen und sich anschließend in Sicherheit wähnt.
Ich habe mir erlaubt auf deinen Artikel zu verweisen.

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