Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)
norberto42 | 23 Oktober, 2007 16:40
Der Kollege Jochim Rugenstein aus Düsseldorf (Lessinggymnasium) hat mir folgendes Merkblatt (aus dem Methodentraining Kl. 11) für die Technik der Präsentation vor der Klasse zur Verfügung gestellt:
Technik des Vortrags
1. Vorbereitung des Vortrags
Die Wahl des Themas, die Materialsuche und die Strukturierung des Stoffes erfolgt bei der Vorbereitung eines Vortrages auf die gleiche Weise wie beim Schreiben eines Berichts.
Unsere Gedanken sollten wir dann aber nicht in vollständigen Sätzen schriftlich niederlegen, sondern höchstens Stichworte notieren. Auf diese Weise können wir den geplanten Aufbau einhalten (was ganz frei Sprechenden nicht immer gelingt), ohne jedoch die Augen ständig aufs Blatt zu nageln und abzulesen. Vor allem komplizierte Erklärungen werden besser verstanden, wenn wir sie frei formulieren und somit den Hörern anpassen können. Nur auf diese Art wird der Vortrag auch wirklich zur menschlichen Begegnung mit dem Publikum. Geübte Rednerinnen und Redner sprechen zu den Hörern nicht einfach vor ihnen , sie gehen auf sie ein, erläutern einen Punkt besonders, wenn sie Schwierigkeiten beim Begreifen verspüren, wiederholen Erklärungen, wenn es notwendig scheint. All dies können sie nur tun, weil sie frei vortragen. Natürlich gehört dazu, dass sie die Zuhörer auch wirklich sehen und weder an die Decke, die Wand noch auf die Notizen starren.
Unterteilen Sie Ihre Notizen in Grundinformationen und Zusatzmaterial. Aus Nervosität sprechen wir im Ernstfall oft schneller als bei der Probe. Um nicht viel zu früh fertig zu sein, ist es gut, wenn wir noch etwas in Reserve haben.
Wenn Sie Ihren Vortrag zu Hause üben, kann ein Tonband helfen, die eigenen Schwierigkeiten zu erkennen. Vielleicht hören Sie auf diese Weise, dass Sie dazu neigen, Ihre Sätze nicht zu beenden, die gleichen Ausdrücke immer wieder zu verwenden oder zu schnell zu sprechen; Sie haben dann noch die Möglichkeit, diese Fehler auszumerzen. Auch ein Probevortrag vor Familienangehörigen oder Bekannten kann diesem Zweck dienen.
Wenn Sie den Vortrag mehrmals üben, versuchen Sie, Ihre Gedanken immer wieder anders zu formulieren und auf verschiedene Arten auszurücken. So gewinnen Sie Sicherheit und die Überzeugung, dass Sie Ihren Stoff wirklich beherrschen. Außerdem werden Sie beim Sprechen flexibler und können besser auf Ihr Publikum eingehen.
2. Beginn des Vortrags: Interesse wecken
Gute Rednerinnen oder Redner schenken dem Beginn ihres Vortrags besondere Aufmerksamkeit, weil sie das Interesse ihres Publikums gewinnen wollen. Sie führen deshalb mit einer Anekdote, einer witzigen Bemerkung, einem besonders treffenden Beispiel in ihr Thema ein, bevor sie zu allgemeinen und abstrakten Darstellungen übergehen. In anderen Fällen setzen sie eine Übersicht, die praktische Anwendung ihrer Ausführungen an den Anfang, stellen einen Bezug zur Situation der Hörer her und wecken damit ihr Bedürfnis, mehr über das Thema zu erfahren.
3. Gliederung vorgeben und bei jedem neuen Aspekt darauf verweisen
Die Gliederung des Vortrags muss am Anfang vorgegeben und kurz erläutert werden. Sie sollte zudem den Zuhörern jederzeit präsent sein (visualisieren!). Neue Teilbereiche immer erst benennen und noch einmal auf die Gliederung verweisen, dann in Einzelheiten gehen!
4. Laut genug sprechen, Pausen machen, Redetempo und Lautstärke variieren - Kurze, klare Sätze verwenden
Sprechen Sie laut genug, damit auch die Leute in den hintersten Bankreihen Sie verstehen.
Man spricht anders, als man schreibt. Langen, komplizierten Sätzen kann zwar ein Leser folgen, weil er die Möglichkeit hat, die einzelnen Satzteile isoliert zu betrachten. Bei einem Vortrag empfiehlt es sich aber, kurze, klare Sätze zu machen.
Erklären Sie Begriffe und Fachausdrücke, wenn Sie sie zum ersten Mal verwenden, vor allem, wenn Sie sich nicht an ein Fachpublikum wenden.
Gedankensprünge verwirren die Hörer, die ja nicht zurückblättern und sich orientieren können. Bleiben Sie beim Thema, wiederholen Sie eine Angabe lieber, als sich auf das Gedächtnis der Hörer zu verlassen. Fassen Sie das Gesagte ab und zu zusammen.
Bei schwierigen Sachverhalten hilft es den Hörern, wenn Sie das Gleiche in verschiedenen Worten mehrmals umschreiben.
Vermeiden Sie lange Aufzählungen, legen Sie das Ganze lieber in einigen treffenden Beispielen dar.
5. Gestik und Mimik bewusst einsetzen
Versuchen Sie, Ihre Gliedmaßen während des Sprechens unter Kontrolle zu halten und nervöse Gewohnheiten, wie wildes Gestikulieren, Zupfen an der Kleidung usw., auszuschalten. Üben Sie dagegen schon vorher, wie Sie mit Gesten und Ihrer Mimik den Vortrag unterstützen können.
6. Blickkontakt halten und Reaktionen beachten und auf sie reagieren
Reden Sie nicht ins Leere hinein, sondern zu den Zuhörern. Schauen Sie einzelne Zuhörer zwischendurch gezielt an und achten Sie auf die Reaktionen der gesamten Zuhörer. Reagieren Sie flexibel, wenn Sie besonderes Interesse oder Desinteresse feststellen.
7. Fragen, Kommentare und Diskussionen ermöglichen
Bei längeren Reden braucht der Hörer ab und zu eine Atempause. Diese kann in Form von Abschweifungen, Anekdoten usw. in den Vortrag eingeflochten werden. Eine andere Möglichkeit ist das Einschalten von Übungen oder die Aufforderung zu Diskussionen, Fragen, Kommentaren.
8. Visualisierung von komplexen Fakten und Zusammenhängen
Überlegen Sie sich auch, welche Hilfsmittel den Vortrag auflockern und zum Verständnis des Stoffes beitragen können. Namen, Zahlen, Fachausdrücke usw. sollten möglichst an die Tafel geschrieben werden. Tabellen, graphische Darstellungen, Zeichnungen, die Sie eventuell mit Hilfe eines Overheadprojektors zeigen, veranschaulichen komplexe Tatbestände.
Acht Gestaltungsprinzipien für Visualisierungen
Durch bewusste Gestaltung wird eine Visualisierung (Tafel, Flipchart, Pinnwand, Folie, computergestützte Präsentation) verständlicher, interessanter und einprägsamer. Dabei sind jedoch die folgenden Prinzipien zu beachten:
Struktur: Die Visualisierung sollte vor allem die gedankliche Struktur des Vortrags widerspiegeln; dabei sind u. a. die folgenden Kategorien zu berücksichtigen:
· Zuordnung, Abgrenzung
· Unter- oder Überordnung
· Chronologie oder Kausalität (Ursache, Wirkung)
· Gegensätzlichkeit (Pro - Kontra, Vor- und Nachteile)
· Aufzählung: zufällig oder in bewusster Reihenfolge (z. B. Steigerung)
Textreduktion: Die Visualisierung muss sich deutlich vom gesprochenen Text absetzen. Sie dient der gedanklichen Reduktion und der Konzentration auf das Wesentliche.
Hervorhebung: Was besonders wichtig ist, kann durch Auszeichnung, Farbigkeit oder Schriftwechsel optisch hervorgehoben werden.
Ähnlichkeit: Was ähnlich oder gleich ist bzw. der gleichen Kategorie angehört, sollte durch ähnliche oder gleiche Formatierungen dargestellt werden (Schriftart, Schriftgröße, Auszeichnung, Farbe).
Zusammenhang: Was inhaltlich zusammen gehört, sollte durch Absätze, unterschiedliche Zeilenabstände, Trennungslinien, Spalten usw. von anderen Inhalten abgesetzt werden. Wichtiges kann durch Textrahmen oder Tonwertflächen (Schattierungen) zusätzlich hervorgehoben und zusammengefasst werden.
Grafische Elemente: Texte lassen sich häufig durch Bilder, Skizzen oder Diagramme ergänzen. Auch Symbole (Pfeile, Gliederungspunkte, Verkehrszeichen usw.) oder prägnante Formen (Pyramide, Entwicklungsstufen, Haus, Säulen usw.) sind für die Gestaltung von Texten hilfreich.
Farbigkeit: Farbe erhöht nicht nur die Aufmerksamkeit bei einer Visualisierung. Gezielt eingesetzt (das heißt: konsequent, funktional und sparsam verwendet) kann Farbigkeit darüber hinaus Strukturen verdeutlichen und somit auch die Verständlichkeit erhöhen.
Angemessenheit: Beachtet werden sollten nicht nur der Zusammenhang von Inhalt und Form, sondern auch Situation und Zielgruppe sowie der Grundsatz der Arbeitsökonomie. Übertreibungen in der Gestaltung verbieten sich damit von selbst.
Er hat dazu eine beispielhafte Präsentation mitgeliefert, die ich aber nicht hochladen kann. Ich bin überzeugt, dass Jochim Rugenstein seine ppt-Folien auf Anfrage per mail zusendet.
Vgl. auch http://wikis.zum.de/dsd/index.php/Präsentation
Vgl. auch Arbeitstechnik Visualisierung, "Diagramme, Schaubilder, Grafiken interpretieren" maps und alles zum Thema mindmaps-Gliederung!
Heiko Brockmann | 11.01.2008, 14:51
norberto42 | 11.01.2008, 22:15
Das Lessing-Gymnasium in D (und damit den Kollegen Rugenstein) erreicht man unter Tel. 0211/8922610 und
0211/8922630 sowie unter
Fax 0211/8929151.
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Hallo und Guten Tag,
ich würde mich freuen, wenn Sie mir die beispielhafte Präsentation von Herrn Rugenstein zusenden könnten.
Mit Dank im voraus und freundlichen Grüßen