norberto42

Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)

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Anonyme Bewertung von Lehrern im Internet?

norberto42 | 29 Juni, 2007 15:00

Beim Lehrerfreund läuft gerade eine Umfrage, ob man eine öffentliche anonyme Beurteilung von Lehrern durch Schüler im Internet billigt. Ich habe mit Nein gestimmt. Meine Begründung lautet so:

Zur Begründung meiner Nein-Abstimmung
1. Es geht um die öffentliche Benotung - Schüler werden aber auch nicht öffentlich benotet, sondern bekommen ihr Zeugnis privat; um die sogenannten Somi-Noten der Sek II (pro Quartal), wird bei uns ein solcher Geheimhaltungswind gemacht, dass nicht einzusehen ist, dass Lehrer öffentlich benotet werden.
2. Die Kriterien der Beurteilung von Schülern liegen fest - was aber wird bei Lehrern benotet? "sexy" - was soll das, bitte, eine für einen Lehrer erforderliche Qualität sein?
3. Gegen Benotung durch Lehrer können Eltern Rechtsmittel einlegen - welche Möglichkeiten haben Lehrer, sich gegen eine unsachliche Bewertung zu wehren? Gerichtsurteil: keine!
4. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe nichts gegen eine Beurteilung von Lehrern durch Schüler. Ich habe oft genug in Klasse 5 oder 6 die Schüler ein Zeugnis für den Lehrer Tholen schreiben lassen, nachdem wir gemeinsam überlegt haben, was denn einen guten Lehrer ausmacht ("sexy" fehlte dabei!): fachliche Qualifikation, erklären können, Geduld besitzen, Humor haben, gerecht beurteilen usw.; das Ergebnis der anonymen Abstimmung in der Klasse haben wir dann veröffentlicht (ausgezählt) und ausgewertet. Eine Schwankung von 1 bis 2 Notenstufen war normal, echte Ausreißer sind dann als atypisch anzusehen; dann konnte man auch in der Klasse besprechen, wieso bestimmte Eindrücke zustande kommen. Da gab es also eine wirkliche Rückmeldung; ich wurde übrigens in der Regel als ungeduldig bewertet.
Eine öffentliche Beurteilung, wogegen die Kollegin sich gewehrt hat, ist etwas anderes; schon die in den Abiturzeitungen veröffentlichten Bewertungen haben einen gewissen Spaß-Faktor - die anonym im Internet abgegebenen Bewertungen sind erst dann hinzunehmen, wenn Lehrer auch öffentlich und anonym im Internet über Schüler abstimmen dürfen: "linke Ratte, Schleimer, stört dauernd, kommt regelmäßig zu spät, erfinderisch in seinen Ausreden, faule Socke, sitzt bekifft herum...". Das würden Schüler und Eltern jedoch nicht hinnehmen.

Ich möchte zum Schluss nur eine von vielen Episoden erzählen, die zeigen, wie empfindlich Eltern/Schüler reagieren: In einer Kl. 10 hatte ein Schüler die witzige Ausrede vorgebracht: "Herr Tholen, in der Schulzeit komme ich nicht zum Arbeiten für die Schule; da habe ich keine Zeit." Dazu habe ich dann im studioD die genauso lustige Bemerkung gemacht, der liebe P. möge dann in den Ferien für die Schule arbeiten, da er ja in der Schulzeit keine Zeit habe. Darauf hat indirekt der Vater eines anderen P. mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gedroht - sein Sohn (ein anderer P., war also gar nicht gemeint, hätte aber sachlich gemeint sein können) werde öffentlich bloßgestellt.
So, und nun meine Frage: Sollen wir uns angesichts solcher überzogener Empfindlichkeiten vielleicht von besagten P.s öffentlich beurteilen lassen? Nein, nein, nein!

Kommentare

Kommentar Icon spickmich

Markus Märkl | 13.07.2007, 08:35

Lieber Kollege, eine sehr schöne Anekdote am Ende! Die meisten Lehrer haben nichts gegen Benotung durch die Schüler (Gründe sind natürlich vielfältig selbst Benotung im Unterricht durchzuführen...). Aber hier geht es ja darum einen virtuellen Pranger einzuführen. Und wer will mal wieder nicht mitspielen - die Lehrer natürlich. Wie unsexy. Die Kommentare der Eltern machen mir aber am meisten Sorgen - wie weit sind wir vom Schulterschluss Eltern/Lehrer denn heute schon entfernt? (http://www.sueddeutsche.de/anderslernen)

Kommentar Icon ...

Andreas | 28.11.2007, 08:10

Liebe zukünftige Kollegen,

der Vorredner hat klar gemacht, was falsch läuft - die Bewertung erfolgt einseitig und nur zum Teil nach schulisch relevanten Gesichtspunkten. Jeder, der einen Hass auf seine(n) Lehrer(in) hat, kann völig unbehelligt ein nicht nachzuvollziehendes und unbegründetes Urteil abgeben... so etwas darf ich mir im Schulpraktikum nicht erlauben, und Sie sich noch weniger...
Klausuren müssen nach objektiven Gesichtspunkten beleuchtet werden, die Benotung muss jederzeit zugänglich sein und kann erfragt werden. UNd was mache ich eines Tages? Briefbomben per E-Mail verschicken, wenn mich die Wut über ein Urteil, dass völlig an dern Haaren herbeigezogen scheint, packt?
Wo bleibt meine Begründung? Ist sie sachlich, kompetent? Nach welchen Kriterien werde ich bewertet? Wieviele EINSER ich verteile? Können Sie gerne haben, das Leben holt sie wieder ein...und die Schule wird zur Lachnummer...

Sollte eine Klage gegen Internetportale wie "Spickmich.de" und andere nicht erfolgreich sein, so werde ich eine Internetseite eröffnen... auf der dürfen dann Lehrer ihre Schüler bewerten... ganz wertefrei und nach persönlichem Gusto... und ganz ohne Pädagogik...

Kommentar Icon RFrank

Frank R. | 15.12.2007, 20:11

Ach Gottchen, heult die gemeinsame Lehrerschaft mal wieder über die bösen Schüler.
Wenn Ihr mit eurem Job nicht klar kommt, denkt mal über was anderes nach. Ich kann es nicht mehr hören, wenn eure verletzten Seelchen sich mal wieder ausk..
Nein wirklich, arbeitet mal richtig, z.Bsp. in der freien Wirtschaft, da geht es genauso zu, aber 8.5 Stunden täglich!!
Das Leben ist halt hart, aber ungerecht.

Kommentar Icon -> Frank R.

norberto42 | 15.12.2007, 22:59

Der gute Frank R. hat von Schule keine Ahnung: Er weiß nicht, dass ein Vertrauensverhältnis, zumindest eine gegenseitige Offenheit Bedingung des Lehrens und Lernens ist. Es geht also nicht um Bewertung, sondern um A n o n y m i t ä t der Bewertung; es geht nicht um Kritisieren, sondern um Giften. [Schule funktioniert, wenn sie denn funktioniert, anders als "die freie Wirtschaft".]
Und zuhören kann er auch nicht: Er geht mit keinem Wort auf meine Argumentation ein.
P.S. Gerade habe ich die von "Frank R." angegebene mail-Adresse getestet: falsch. Wieder so ein mutiger anonymer Stinkstiefel! Herzlichen Glückwunsch zu deiner Zivilcourage, Frank, Feronika oder Flabes - Leute wie dich brauchen wir für das 22. Jahrhundert!

Kommentar Icon Vilgaz

Vilgaz | 08.01.2008, 14:08

Wie ihr es auch stellt und belabert... Lehrer werden mit eurer Einstimmung oder auch ohne weiterbewertet. Anonym oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Es gibt viele Lehrer, die auch eine schlechte Bewertung verdienen. Ich gebe Frank R. recht.
Ausserdem könnt ihr NICHTS dagegen machen. Es wird diese Seiten immer geben, mit gutem Grund. (meine mail geht)

Kommentar Icon -> Vilgaz

norberto42 | 13.01.2008, 00:01

Mein Bester, dir fehlt das elementarste Training des Denkens:
* "ist jedem selbst überlassen" heißt nicht: ist richtig;
* "ihr könnte nichts machen" heißt nicht: ist richtig. Kannst du denn nicht zwischen anonym und offen unterscheiden? Kannst du überhaupt nicht lesen? Du bist der letzte Depp, dem ich hier antworte - es hat offensichtlich wenig Zweck, mit Leuten zu reden, die Anonymität verteidigen und nur fühlen, aber nicht denken.
Ach ja, und du solltest auch zwischen Einstimmung und Zustimmung unterscheiden, wenn ich das als Deutschleherer sagen darf.
N.T.

Kommentar Icon Lehrerbewertung

Hans | 18.08.2008, 18:53

Ob anonym oder wie auch immer,die Menschen werden immer dümmer.
Einst haben die Schüler das Klassenbuch um die Ohren gehauen bekommen und haben was gelernt, heute können die Schüler die Lehrer im Internet bewerten und wissen nicht mal, wo Pisa liegt, geschweige denn wie man Pisa schreibt.
Party machen, Ballermann, das
sind Begriffe.
Armes Deutschland!

Kommentar Icon bewerten der lehrer

tilli | 23.06.2009, 18:02

was regen die sich alle so auf (gleichheit)sonst können auch keine hotels mehr benotet werden, und alle anderen sachen im internett.glaubt doch nicht das die politik sich für die lehrer einsetzt,viel schlimmer sind die diskreminierungsparagrafen.

Kommentar Icon @ tilli

N. Tholen | 23.06.2009, 20:25

Gegen das Bewerten der Lehrer durch Schüler ist nichts zu sagen, wohl aber gegen anonymes Bewerten: Es gibt ja keine Kriterien, an denen man das Urteil messen könnte!
Und Lehrer geben ihre Noten ja auch nicht anonym, sondern müssen dafür vor Schülern, Eltern und der Behörde geradestehen (und die Kriterien angeben können ...).

Kommentar Icon hm

R. S. | 12.01.2010, 18:20

hallo ihr lieben. ich hab eure ganzen kommentare gelesen, da ich mich für eine dukussionsrunde zu diesem thema vorbeireiten muss. ich bin selbst schülerin und denke, dass das sehr geschmacklos werden kann, sollte man den schülern alles erlauben. gegen eine klasseninterne beurteilung ist nichts einzuwenden, da sie eher objektiv ist und dem lehrer helfen kann über etwaige kritiken nachzudenken und so seinen unterricht zu verbessern. persönliche beurteilungen sollten eher im hintergrund stehen. und sein wir mal ehrlich. kann man eine kritik ernst nehmen, die einen anderen menschen persönlich angreift und ihn in seiner würde verletzt?

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