Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)
norberto42 | 20 Januar, 2006 19:57
Wortarten - vom Fischfang im Wörtersee
Wie jedermann weiß, schwimmen alle Wörter in einem großen See; der heißt deshalb der Wörtersee. Aber was für Wörter sind das, die darin schwimmen? Um das herauszufinden, machen wir uns Fangnetze, deren Maschen verschieden groß sind.
Beim ersten Fang nehmen wir das Netz mit den größten Maschen; darin bleiben nur die ganz dicken Wörter hängen, die anderen sausen zwischen den Maschen hindurch. Da fangen wir Wörter wie „gehen“ oder „singen“, mit denen man ganz viel machen kann:
1. Man kann sie in verschiedenen Zeitformen gebrauchen (ich gehe, ich ging, ich werde gehen, ich war gegangen...);
2. man kann sie in verschiedenen Personalformen gebrauchen (ich gehe, du gehst..., wir gingen, ihr gingt, sie gingen).
Diese dicken Wörter heißen Verben.
Dann suchen wir uns ein paar Netze mit Maschen, die immer kleiner werden. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von Wörtern, die man in die vier Fälle setzen kann - aber bei denen gibt es verschiedene Sorten. Beim zweiten Fang stoßen wir auf Wörter, die wir Nomen nennen;
1. man kann sie in die vier Fälle setzen und
2. sie haben ein stabiles Körperteil, womit sie im Netz hängen bleiben: immer den gleichen Artikel (der Vater, die Tochter, das Auto), also immer das gleiche grammatische „Geschlecht“ (genus).
Mit dem nächsten Netz mit den noch kleineren Maschen fangen wir nun Wörter, die man Adjektive nennt,
1. die man in die vier Fälle setzen kann und
2. die einen dicken Bauch haben: man kann sie steigern (dicker, dicker, am dicksten; ein dicker Vater, die dickere Tochter, das dickste Auto). Man kann sie mit Nomen aller drei Arten verbinden!
Als letzte Sorte der Wörter, die in den vier Fällen dekliniert werden, bleiben die Begleiter und Stellvertreter übrig:
- Sie gehen mit allen und stehen bei allen und für alle Nomina,
- und man kann sie auch nicht steigern;
das sind Wörter wie „er, sie es“, „dieser, diese, dieses“, „einer, eine, ein“ und so weiter.
Nun schwimmen nicht mehr viele Wörter im See - es sind die Wörter die durch alle Netze der Flexion (Konjugation, Deklination) geflutscht sind, die also ihre Wortform nie ändern (nicht flektierbar sind), also bloß in einer Form vokommen. Man nennt sie die Partikel: „mit, als, bitte...“
Wir haben mit unseren Netzen fünf Wortarten gefunden; wenn man andere Netze zum Fischen benutzt, kann man auf mehr Wortarten stoßen (bis zu zehn) - aber das wollen wir hier nicht diskutieren.
Mit der Geschichte vom Fischfang im Wörtersee versuche ich, das Baumdiagramm auf S. 34 f. im Schülerduden Grammatik (4. Auflage) verständlich zu erklären.
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Wortarten - Grundbegriffe
Im Schülerduden (SD) Grammatik findest du in den Abschnitten [24] - [29] die nötigen Hinweise.
Es werden dort verschiedene Fachbegriffe gebraucht, in deren Bedeutung du kurz eingeführt werden sollst. Gleichzeitig solltest du darauf achten, wie man (also ich) Begriffe erklärt:
1. Wenn es ein und dasselbe Wort in verschiedenen Formen gibt [24], unterscheiden wir die Nennform [25] oder Grundform von den anderen Wortformen; mit der Nennform steht ein Wort im Wörterbuch (also etwa im Rechtschreibduden).
2. Unter der Flexion eines Wortes versteht man die Tatsache, dass es eine von der Nennform abweichende Form annehmen kann oder annimmt. Man sagt: Das Wort wird flektiert; das Wort ist flektierbar [26].
3. Bei der Flexion unterscheiden wir zwei Arten:
Manche Wörter können in verschiedenen Tempusformen gebraucht werden; das sind die Verben [36, 1. und 2.]. Die Verben werden konjugiert oder sind konjugierbar; neben der Änderung der Tempusform (Zeit-Stufe) sind weitere Veränderungen möglich, die wir jetzt aber nicht berücksichtigen. Die sechs Tempusformen solltest du kennen.
Neben der Konjugation gibt es noch die Deklination; Wörter werden dekliniert, wenn sie in den vier „Fällen“ gebraucht werden können [148]. Diese deklinierbaren Wörter können in der Regel auch im Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) gebraucht werden. „Fall“ ist das deutsche Wort für den Fachbegriff Kasus.
4. Um die Tabelle SD Gr S. 34 f. zu verstehen, musst du zwei weitere Begriffe kennen: Genus und Komparation.
Genus bezeichnet das grammatische „Geschlecht“ der Wörter; wir kennen im Deutschen derer drei, „männlich“ (maskulin: der Berg, der Mann), „weiblich“ (feminin: die Tür, die Frau) und „sächlich“ (neutrum: das Auto, das Kind). „neutrum“ heißt eigentlich: keins von beiden. - Beachte: Es handelt sich hier nur um das „Geschlecht“ eines Wortes, also um den Gebrauch des Artikels „der, die, das“ oder „ein, eine, ein“; also nicht das Kind ist „sächlich“, sondern nur das Wort „Kind“ - Kinder sind immer Mädchen oder Jungen! Wenn man von einem Wort spricht, setzt man deshalb die Anführungszeichen („...“), damit man das Wort von dem damit Gemeinten unterscheidet.
Unter Komparation (Vergleichung) versteht man die „Steigerung“ eines Adjektivs: groß - größer - am größten; teuer - teurer - das teuerste (Auto). Fast alle Adjektive kann man steigern. Manche werden allerdings etwas ungewöhnlich (oder auch nicht) gesteigert, etwa „schwarz“ -> „kohlrabenschwarz“; „tot“ -> „mausetot“.
Die Sprachwissenschaft teilt also die Wörter nach den Regeln ein, wie sie als Wörter gebraucht werden, statt zu fragen, was ein Ding oder eine Eigenschaft ist.
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In anderen Grammatiken findest du oft mehr als fünf (bis zu zehn) Wortarten. Wie viele es „wirklich“ gibt, hängt von der Art ab, wie man sie definiert. Was „richtig“ ist, darüber können die Wissenschaftler streiten: Wir bleiben mit dem Duden bei fünf Wortarten.
P.S.
Bei den Übungsdiktaten für die Klasse 5 gibt es eines über die Wortarten.
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