Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)
norberto42 | 05 Januar, 2006 18:10
Dieser Aufsatz ist die Fortsetzung von "Aufsatzunterricht":
E r ö r t e r n 1 : Jemanden umstimmen
„Jemanden umstimmen können“ ist eine Fähigkeit, die man als Subjekt beherrschen und deren Stragien man kennen sollte. Salopper könnte man auch von „beschwatzen“ oder, etwas seriöser, von „überzeugen“ sprechen. Soll in der Schule derart unrational operierendes sprachliches Handeln eingeübt werden?
Der erste, praktische Grund, warum jemanden umzustimmen geübt werden soll, ist dieser: Die Schüler sollen vor Überredungskünstlern geschützt werden. Der zweite, theoretische Grund erwächst aus der Einsicht, dass das Leben und vor allem die Zeit fürs Argumentieren begrenzt ist und dass man praktisch ziemlich schnell auf Prämissen zurückgreift, die einem selber einleuchten, anderen jedoch fragwürdig sind. An der unbegrenzten Möglichkeit des rationalen Diskurses hatte Hans Blumenberg bereits 1971 geweifelt („Anthropologische Annäherung an die Rhetorik“. In: Wirklichkeiten, in denen wir leben. RUB 7715, 1981). Und Michael Landmann hat 1976 „Anklage gegen die Vernunft“ (Edition Alpha. Ernst Klett Verlag) erhoben. Was in den Aufsätzen Blumenbergs und Landmanns theoretisch entfaltet wird, kann man praktisch erleben; man muss nicht erst mit „Fundamentalisten“ diskutieren, sondern braucht sich nur an einem Gespräch (etwa in www.philtalk.de) zu beteiligen - die elementarsten Prämissen des Sprechens und Denkens gelten, vorsichtig formuliert, nicht für alle gleichermaßen. Die Sophisten hatten nicht nur Unrecht, obwohl wir das unter der zweitausendjährigen Dominanz Platons gelernt haben.
Die Unterrichtsreihe „Jemand umstimmen“ gibt es bei mir, wenn ich viel Zeit habe, d.h. wenn ich bereits in Klasse 8 mit der „Gliederung“ anfangen und das Erklären folgen lassen kann, in Klasse 9 dann das Bewerten eingeübt habe und auch eine Satire habe schreiben lassen; dann nehme ich mir oft in Klasse 10 die Zeit für die im Wesentlichen produktive Arbeit: jemand umstimmen. Dieser Jemand ist uns in einem Text präsent, in dem er darlegt, wie er vor einer Entscheidung steht, eine bestimmte Entscheidung einfordert oder sich für etwas entschieden hat.
Die produktive Arbeit beruht auf einer kurzen argumentativen Analyse der Position des Autors, deren Ergebnis schriftlich festgehalten werden sollte:
Welche Auffassung vertritt der Autor?
Welche Gründe führt er dafür an?
Welche Einwände berücksichtigt er?
Ist er irgendwo unsicher, äußert er Zweifel?
Die letzte Frage leitet zu den strategischen Überlegungen des Umstimmens über:
Bei welchen Zweifeln kann ich (diese verstärkend) ansetzen?
Welche Gegengründe hat er nicht berücksichtigt?
Wie kann ich seine Wertvorstellungen für mich nutzen, Gemeinsamkeit betonen?
Welche Bedenken müssen heruntergespielt, welche hochgehalten werden?
Die folgenden AB unter der Nummer „Erörtern 1“ zeigen einmal rhetorische Aspekte und außerdem das Modell des menschlichen Handelns, das auch dem Bewerten und der sachlichen Erörterung zu Grunde liegt. Normalerweise wird man die Regeln und Möglichkeiten des Erklärens und Bewertens wiederholen müssen, wenn man diese Unterrichtsreihe(n) in Kl. 10 durchführt.
Erörtern 1.1 - jemand für eine Entscheidung gewinnen _________
Gert Ueding: Rhetorik des Schreibens. Ein Einführung. Königstein 1985, bietet viele Anregungen dafür, wie man jemand für etwas gewinnen kann.
Es geht darum, in Alternativen zu denken: Wie kann ich jemandem
* etwas schmackhaft machen? * etwas madig machen?
* etwas vorschlagen? * von etwas abraten?
* Neigungen verstärken? * Abneigung hervorrufen?
* Bedenken zerstreuen? * Einwände machen?
Zunächst musst du darauf achten, dass du die Aufmerksamkeit deines Gesprächspartners gewinnst; dann geht es darum, ihn nicht vor den Kopf zu stoßen. Du solltest auch darauf achten, bestimmte rhetorische Figuren zu verwenden, damit deine Äußerungen besser wirken:
- die Wiederholung (etwas eindringlich sagen);´
- das Beispiel (anschaulich und glaubhaft, da real vorhanden);
- der Vergleich (eine Verbindung herstellen zu etwas anderem);
- die Metapher (etwas bildhaft ausdrücken, wie beim Vergleich);
- die Allegorie (Metaphern und Vergleiche entfalten und so ein plausibles Gesamtbild herstellen);
- die Steigerung bzw. die Abschwächung von Kontrasten (an den Maßstäben arbeiten);
- die Vergrößerung - die Verkleinerung der Betrachtungsweise (wo man selber stark ist, walzt man das aus; wo man schwach ist, hält man sich eher zurück);
- die Autorität von Zitat oder Sprichwort (gibt einem eindrucksvoll Recht);
- die Evidenz (Wer kann schon gegen das, was sonnenklar auf der Hand liegt, Einwände erheben?);
- die rhetorische Frage (wodurch man sich des Einverständnisses, der Gemeinschaft mit dem Adressaten versichert);
- den Einschluss des Adressaten („wir alle“);
- die Ironie (eine starke Waffe).
Schau dir noch einmal das alte AB „Aufwerten / abwerten - sprachliche Mittel“ an!
Wenn du selber noch weiterforschen willst, kannst du die Artikel „Rhetorik“ und „rhetorische Mittel/Figuren“ im Schülerduden „Die Literatur“ oder in literaturwissenschaftlichen Wörterbüchern nachschlagen: eine Übung für die Sek. II und das Studium!
Erörtern 1.2 - jemand für eine Entscheidung gewinnen ___________
Schema:
Etwas tun, also handeln, heißt:
Mittel einsetzen --> um Ziele zu erreichen / Was tatsächlich erreicht wird,
und also
Helfer finden --> um etwas bewirken / ist oft nicht das Geplante.
Wenn ich jemand für eine Entscheidung gewinnen will, kann ich
1. seine Ziele (auch Motive) ins Auge fassen:
Sind sie für ihn wirklich erstrebenswert?
Sind das überhaupt seine Ziele? Macht er sich etwas vor?
Sind meine Ziele besser, erstrebenswerter für ihn (für uns)?
2. die Folgen des Handelns bedenken:
Wird das erstrebte Ziel tatsächlich erreicht werden?
Welche weiteren (nicht bedachten Neben-)Folgen werden eintreten?
Werden andere davon profitieren, ohne etwas dafür zu leisten?
3. die Mittel des Handelns (d.h. die möglichen Wege zum Ziel) prüfen:
Sind die Mittel geeignet, das Ziel herbeizuführen?
Gibt es andere Mittel, die einfacher zu handhaben, „billiger“ zu beschaffen sind oder keine Nebenwirkungen haben; Mittel, die sicherer zum Ziel führen?
4. die Helfer überprüfen:
Hat man die nötigen und die richtigen Helfer?
Welche Zugeständnisse muss man den Helfern machen (-> Kosten)?
Dies sind Gesichtspunkte, die man bedenken kann oder sollte, wenn man jemand für eine Entscheidung gewinnen will.
Die Frage ist dann, w i e man es ihm sagen soll, um ihn zu gewinnen.
Die erste Regel dafür ist, dass man verständlich (klar) spricht:
- etwas einfach, übersichtlich und anschaulich erklären (Beispiele!);
- etwas klar, entschieden bewerten.
Die zweite Regel lautet, dass man verbindlich spricht:
- den andern gelten lassen, ihn anerkennen;
- Gemeinsamkeiten herausstellen;
- verbindlich statt verletzend sprechen.
Die dritte Regel dafür ist, dass man interessant spricht:
- etwas lebendig (spritzig, nicht langweilig) vortragen.
Wie macht man das alles zugleich? Mit dieser Frage haben sich die Menschen seit der Antike beschäftigt (Stichwort „Rhetorik“: Kunst des Redens und Überzeugens). Bei ruhiger Betrachtung wird man sicher dem zustimmen können, dass man Menschen für eigene Überzeugungen und Ziele zu gewinnen suchen darf, dass man „unmündige“ Menschen aber nicht einfach beschwatzen sollte.
Was wir im Unterricht tun sollten, ist: die eigene Fähigkeit, andere zu überzeugen, üben; das fremde Bemühen, uns zu überzeugen, begreifen.
Was wir hier nicht tun können, ist: den Charakter so formen, dass man mit den erlernten Fähigkeiten andere nicht ausnutzt.
Hier soll auch das neue NRW-Format der Erörterung genannt werden, das nach dem gleichen Strickmuster angelegt ist und eigentlich heißen müsste: Vorschläge durchsetzen. (20.05.09)
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E r ö r t e r n 2 : Vorschläge erörtern
Ich verzichte seit einigen Jahren auf eine Pro-und-Contra-Diskussion eines freien Themas („Erörtere die Frage, was dafür und dagegen spricht, Haustiere in einer Etagenwohnung zu halten.“ oder „Erörtere die Frage, ob es gerechte Kriege geben kann.“); diese Art der Erörterung ist mir schon vor vierzig Jahren als nicht ehrlich erschienen, weil wir oft politische oder kulturelle Themen vorgesetzt bekamen, bei denen wir sachlich nicht kompetent waren. Heute ziehe ich es vor, mich mit einer Position auseinanderzusetzen, die „von einem normalen Menschen“ vertreten wird oder worden ist.
Hier muss zunächst theoretisch geprüft werden, wie der Autor argumentiert, und dabei müssen Schemata des Argumentierens erkannt werden. Ich verzichte also auf eine den ganzen Gedankengang sukzessive beschreibende Textanalyse und begnüge mich mit einer den Kern der Argumentation erfassenden Analyse. Ich orientiere mich hierbei an dem Schema, das St. Toulmin entwickelt hat und das man in der linguistischen Literatur (Wunderlich, Dieter: Grundlagen der Linguistik. Rowohlt 1974, S. 70 ff.) ebenso wie in Schulbüchern findet (Wernicke, Uta: Sprachgestalten. Bd. 1. Handwerk und Technik 1983, S. 136 ff., speziell S. 147), vgl. http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_mod_toul_6htm.
Der Begriff „Argument“ ist zweideutig; manchmal bezeichnet er eine geschlossene Argumentation, manchmal der beiden Vordersätze vor der Schlussfolgerung. Von Toulmin kann man lernen, dass eine Tatsachen-Aussage mit einer Regel verbunden werden muss, damit eine gültige Schlussfolgerung zustande kommt; ebenso lernt man, dass es für die Tatsachenaussage und die Regel weitere stützende Aussagen geben kann. Wenn man dann noch sieht, dass es Einwände gibt, die ebenfalls wieder gestützt werden können, hat man das theoretische Vokabular zusammen, um eine normale Argumentation darstellen zu können. - Manchmal wird die Regel auch durch einen Schluss a minore ad maius oder durch eine Analogie ersetzt.
Den Zusammenhang der drei Sätze Prämisse 1, Prämisse 2 und Folgerung kann man am besten so begreifen: Es wird versucht, aus zwei unstrittigen Aussagen (P1 und P2) eine dritte, bislang strittige Aussage (F) logisch herzuleiten. Wenn die Sätze P1 und P2 nicht ganz unstrittig sind, versucht man sie durch Zusätze (Z) zu erhärten. [Mit den Bezeichnungen P1, P2 und F weiche ich von Toulmins Nummerierung ab; eine Zuordnung sähe so aus: Toulmin/Tholen: Es gilt (1=P1), deshalb gilt (2=F) wegen (3=P2).
Die Prüfung der Argumentation erfolgt in drei Schritten oder Fragen: 1. Stimmt der erste Satz? 2. Stimmt der zweite Satz? 3. Ist die Schlussfolgerung logisch sauber? Das Ergebnis kann dann lauten, dass die Argumentation richtig ist; dass sie teilweise oder in Grenzen richtig ist; dass sie falsch ist; dass die Argumentation als solche zwar falsch ist, aber die Schlussfolgerung anders und besser begründet werden kann. - Die Schüler sollen also lernen, über gegebene Positionen hinaus zu denken und auch die heuristischen Möglichkeiten oder Anregungen bestimmter Schemata (wie bei der Gliederung) zu erkennen und selber zu nutzen.
Damit, dass Vorschläge erörtert werden, kann der Unterricht etwas zur politischen Erziehung der Schüler beitragen, aber auch die Prüfung theoretischer Argumente in der Sekundarstufe II vorbereiten. Man muss sich bemühen Texte zu finden, die sowohl von allgemeinem Interesse sind oder die Schüler unmittelbar berühren (Schuluniform oder soziales Jahr einführen; Ziffernnoten abschaffen; Jugenschutzgesetze verändern; Frauenförderung beenden) und sprachlich eine angemessene Komplexität besitzen.
Erörtern 2.0: Was ist ein Argument? Wie prüft man es? ____________
Am Beispiel des Aufsatzes von F. Mahlmann soll gezeigt werden, was ein Argument ist und wie man es prüft. Mahlmann fordert, man solle aufhören, die Schüler (vor allem der Sekundarstufe II) zu bevormunden und ihnen in der Schule Pflichten aufzuerlegen.
Das erste vollständige Argument für seine Forderung entwickelt er in Absatz (7), und zwar folgendermaßen:
P1 Sechzehnjährige dürfen schon an Kommunalwahlen teilnehmen.
P2 Wer an solchen gesellschaftlichen Grundentscheidungen teilnehmen darf,
muss auch in Schulfragen selbst entscheiden dürfen, was er tut und unterlässt.
(Z zu P2: Wahlen sind wichtige Entscheidungen.)
F Daher soll man Sechzehnjährige nicht zwingen, am Unterricht teilzunehmen.
Ein Argument ist ein Gedankengang, in dem in mehreren Schritten versucht wird, (hier) eine Forderung sachlich zu begründen. Das Argument hier ist folgendermaßen aufgebaut:
* Der Autor geht von einem Recht als einer Tatsache aus,
* bewertet dieses Recht im Vergleich zu einem anderen Recht
* und folgert aus dieser Bewertung, dass auch das „geringere“ oder geringer wertige Recht gewährt werden muss.
Aufgabe: Erörtere die Forderung Friedrich Mahlmanns, man solle aufhören, die Schüler (vor allem der Sekundarstufe II) zu bevormunden und ihnen in der Schule Pflichten aufzuerlegen!
Wie ist das Argument zu beurteilen? Hat es eine Schwachstelle:
- Besteht das Wahlrecht für Sechzehnjährige tatsächlich? Ist das Wahlrecht zu Recht (oder aus Gründen der politischen Anbiederung an „die Jugend“) gewährt worden?
- Ist das eine Recht wirklich geringer als das andere? Sind die beiden Rechte überhaupt miteinander vergleichbar?
- Stimmt die Schlussfolgerung?
-> Wenn ein Satz oder die Folgerung nicht haltbar ist, ist das ganze Argument hinfällig; trotzdem kann die falsch begründete Idee richtig, die Forderung (ganz oder) teilweise berechtigt sein!
Logische Analyse von Vorschlägen Vorschläge kann man (ich meine, mich hier an Gedanken Max Webers zu erinnern) unter drei Aspekten betrachten.
Schema eines Vorschlags:
Ich will // durch ein Mittel // ein Ziel erreichen.
a) Die technische Erörterung:Erörtern 2.1: Entscheidungen vernünftig diskutieren __________
1. Es wird vorausgesetzt, man könnte Entscheidungen vernünftig diskutieren. Dazu gehört, dass man die Argumente prüft, die zur Begründung genannt werden (Beispiel: Mahlmanns Forderung).
2. Zunächst sind bei einer Erörterung Ziel, Ergebnis und Kosten der vorgesehenen Handlung (Maßnahme) zu prüfen. Wenn zum Beispiel die Frage zu erörtern ist, ob ein Lehrer mit einer 10. Klasse während der Schulzeit ins BIZ fahren soll, ist zu f r a g e n : a) Wozu soll das gut sein? (Was ist das Ziel?) b) Was wird voraussichtlich tatsächlich mit der Fahrt erreicht? (Was ist der Erfolg? Wer profitiert in Wahrheit davon?) c) Was „kostet“ die Fahrt an Zeit (Vorbereitung; Unterrichtsausfall), Arbeit und Geld? (Was sind die Kosten? Und wer trägt die Kosten?) d) Lässt sich das Ziel (die Ziele, ein Teil der Ziele) anders (einfacher, billiger, besser, bequemer - für wen?) erreichen? (Gibt es Alternativen?)
Natürlich ist auch zu prüfen, ob die Logik der Maßnahme und ihrer Begründung stimmt.
3. Wenn man also Leistung und Kosten des Plans, mit der Klasse ins BIZ zu fahren, geprüft hat, kann man dazu (im Hinblick auf die vier genannten Fragen) mögliche Alternativen ins Auge fassen:
- Er fährt nicht mit der Klasse ins BIZ, alles bleibt wie immer.
- Er fährt außerhalb der Schulzeit mit der Klasse ins BIZ.
- Er holt den Berufsberater in die Schule.
- Er fährt stattdessen anderswo hin, z.B. nach Schloss Rheydt.
(Hierzu gibt es wieder mehrere differenzierte Lösungen: Er
schickt einen anderen Kollegen mit der Klasse ins BIZ usw.)
4. Diese Diskussion steht unter den Voraussetzungen,
a) dass die Mittel und die Zeit des Handelns begrenzt sind;
b) dass es meist mehrere Wege gibt, um ein Ziel zu erreichen;
c) dass also über das, was vordringlich zu tun ist und auf welche Weise es getan werden soll, eine Entscheidung zu treffen ist;
d) dass diese Entscheidung möglichst viele („alle“) Gesichtspunkte berücksichtigen soll, die vernünftige Menschen mit unterschiedlichen Interessen ins Spiel bringen werden;
e) dass die Diskussion nicht nur tatsächlich im Plenum, sondern grundsätzlich von jedem (in Grenzen) denkend geführt werden kann;
f) dass diese Diskussion sodann geordnet dargestellt werden kann, was man eine dialektische (Gründe und Gegengründe berücksichtigende) Erörterung nennt.
Eine Liste von Gründen „pro und contra“ ist keine Erörterung!
Hilfsmittel: die AB zur Gliederung, zu den Konjunktionen (und sachlichen Verhältnissen), zum Erklären, zum Bewerten, zum Erörtern (1).
Zur ganzen Frage ist folgender Artikel lesenswert: http://de.wikipedia.org/wiki/Argument
Erörtern 2.2: Praktische Fragen __________
1. Zunächst muss man die Argumentation im vorliegenden Text verstehen. Dabei kann man, falls der Text kopiert vorliegt, die wesentlichen Aspekte unterstreichen: Argumente/Einwände unterscheiden, evtl. nummerieren; ihnen die Beispiele zuordnen; Gedankenschritte beachten... Man könnte diese Stichworte auch eigens notieren. [Bei einer freien Erörterung musst du selbst Argumente suchen!]
2. Danach sollst du selbst die Argumente des Autors ordnen: nach Wichtigkeit; nach Qualität (die starken zuerst); nach Art oder Thema (auf die Schule bezogen, auf die Familie bezogen...) oder nach einem anderen sachlichen Gesichtspunkt (Argumente - Einwände o.a.). - Bei einem systematisch geschriebenen Text folgst du dem Gedankengang. Journalisten „springen“ oft in ihrer Argumentation, um lebendiger zu schreiben; Zwischenüberschriften in ihren Texten sagen sachlich oft nicht viel, sollen eher Interesse wecken - ebenso wie der Titel. Im Untertitel ist meistens genauer gesagt, worum es geht.
3. Danach musst du entscheiden: Stelle ich die Argumente zuerst insgesamt dar und prüfe sie dann, oder stelle ich die Argumente einzeln dar und prüfe (erörtere) sie jeweils sogleich? Vielleicht probierst du einmal beide Möglichkeiten aus? Einfacher ist vermutlich die erste Lösung, souveräner wirkt evtl. die zweite.
Dass die Erörterung sachlich ist, versteht sich von selbst: „Ich persönlich meine...“ gehört nicht in eine Erörterung! Die Meinung des Autors, den du bitte als sprachlich handelnde Größe (!) bei seiner Argumentation behandelst, musst du von deiner (oder von dem, was du behauptest) unterscheiden: Konjunktiv I (oder Konjunktiv II, falls Konj. I nicht erkennbar ist). Stichwort: indirekte Rede!
4. Zum Schluss formulierst du ein Ergebnis, indem du festhältst, wie weit die Argumentation des Autors richtig ist.
Falls du seine Forderung ablehnst, solltest du das Ziel seiner Argumentation würdigen und eine Alternative vorschlagen, wie man das Ziel günstiger (einfacher - sicherer - billiger: AB Erörtern 2.1) erreichen kann. Oder ist seine Forderung völlig unsinnig?
5. Du selbst bist in deinem Aufsatz die sprachlich handelnde Größe. Mache dies deutlich, auch wenn du das Personalpronomen der 1. Person Singular („ich“) vermeidest. - Ansonsten gilt alles, was immer gilt: Ein Aufsatz ist gegliedert; vorher denken und Notizen machen; bitte mit dem Füller und leserlich schreiben; Datum angeben; richtige Auslassungszeichen benutzen!
Bitte Ziffern, private Abkürzungen und Pfeile (->) vermeiden!
Lucki | 30.03.2008, 17:41
norberto42 | 30.03.2008, 18:21
Von mir aus brauchst du nichts zu lesen,
ich mache nur ein Angebot, etwas systematisch zu lernen (resp. eher für Lehrer: eine Anleitung, systematisch zu lehren).
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Und ich soll hier alles durchlesen?