Man arbeitet wissenschaftlich, wenn man sachkundig und methodenbewusst dem Gespräch der Fachleute folgen und sich darin einschalten kann; das muss man in einem längeren Prozess erlernen - und zwar jetzt im Ansatz, damit man nach dem Abitur fähig ist zu studieren, also zu lernen, „richtig“ wissenschaftlich zu arbeiten.
Das Problem beim Suchen ist nicht, dass es zu wenig Antworten (Lösungen, Links) gäbe, sondern dass die Frage richtig gestellt werden muss; hier muss man lernen, Alternativen zu finden - oder von der Maschine her (Welche Art von Fragen versteht sie?) bzw. von den Autoren der Beiträge her zu denken: Mit welchen Wörtern sprechen sie möglicherweise von dem, was ich suche? Dieser Tipp gilt, solange die Suchmaschine keine Fragen versteht, sondern auf Suchwörter reagiert; und das tut sie vermutlich noch lange. Deshalb sind derzeit die Vorschläge der Suchvarianten bei google und Yahoo das relativ Beste, was Maschinen anbieten können.
1. Man muss den
Text gut kennen, also intensiv lesen und dabei eine Lektüreliste (Stichwortliste, mit Belegstellen) anlegen. Unklares schlägt man nach, notfalls fragt man andere.
2. Es gibt für Schüler die einfachen
Kommentare zum Werk; „Königs Erläuterungen“ taugen nicht viel. Normalerweise sind die Kommentare der Verlage Diesterweg, Klett, Oldenbourg ganz gut (Oldenbourg ist schon anspruchsvoller). - Es kann jedoch nie darum gehen, irgendwo etwas abzuschreiben, sondern nur, mit einem Buch oder Aufsatz (d.h auch mit dem Autor) ein Gespräch zu führen: zuerst sorgsam lesen („analysieren“), dann sich damit auseinandersetzen („erörtern“).
Schüler kommen vermutlich zuerst auf die Idee, „Lessing: Emilia Galotti“ bei google einzugeben; da bekommt man derzeit 21.000 Nennungen - die ersten 100 müsste man sich vielleicht anschauen, direkt erkennbare amazon-Reklame kann man überspringen. Wenn man zusätzlich „+Analyse“ eingibt, kommt man immerhin noch auf 14.700 Links. Davon also die ersten 100, dann hat man schon viele Anhaltspunkte, hoffe ich.
Standard der schnellen Information ist wie immer der Artikel im „Kindler Literatur Lexikon“ (in der 2. Auflage primär nach Autoren, dort dann nach Titeln geordnet - bitte unbedingt einmal reinschauen! Lessing findet man in Bd. 10). Es gibt vom KLL eine zweibändige Sonderausgabe „Hauptwerke der deutschen Literatur“, 1994.
3. Ich versuche jetzt, euch an
weitere Hilfsmittel heranzuführen:
a) Man versucht,
über den Autor und sein Gesamtwerk an „Emilia Galotti“ heranzukommen; dafür gibt es Handbücher. Dort findet man dann jeweils auch ein Kapitel über „Emilia Galotti“ (und die Stellung im Werk Lessings):
Barner, Wilfried / Grimm, Gunter E. u.a.: Lessing. Epoche - Werk - Wirkung. 5. neubearbeitete Auflage 1987
Brenner, Peter J.: Gotthold Ephraim Lessing, 2000 (RUB)
Fick, Monika: Lessing Handbuch, 2000.
Monika Ficks Handbuch finde ich am besten von den dreien.
b) Man versucht,
über die Gattung „Drama“ an E.G. heranzukommen,
- entweder über ein Handbuch der deutschen Dramen (siehe Bibliothek);
- oder über die Dramen Lessings (etwa
Pütz, Peter: Die Leistung der Form. Lessings Dramen, 1986) - bei google ergibt „Lessings Dramen“ gut 2.000 Links;
- oder über die besondere Art des Dramas, das „bürgerliche Trauerspiel“ (das Stichwort ergibt 12.400 Links bei google; „bürgerliche Trauerspiel“ +Lessing: 589).
Zu den Stichworten „Tragödie; Drama; bürgerliches Trauerspiel“ wird man in ein literaturwissenschaftliches Wörterbuch schauen - auch hier wieder mit der Idee, die brauchbaren von den zu schwierigen Wörterbüchern zu trennen!
c) Als weitere Möglichkeit bietet sich an,
über die Epoche („Aufklärung“) sich der E.G. zu nähern; als Buch würde man hier zunächst eine Literaturgeschichte um Rat fragen - und dabei in einem erforschen, mit welcher man arbeiten kann und welche einem noch eine Nummer zu groß ist. Also: Gehe in die Bibliothek...! Auch hier kann man variieren: in die von Giesenkirchen, von Rheydt, von Mönchengladbach...
Man kann jetzt natürlich das Stichwort „Aufklärung“ wieder mit „Drama“ kombinieren, also Bücher oder Artikel über „Dramen der Aufklärung“ (Drama oder Dramen der Aufklärung: bei google 350 bzw. 750 Links) suchen (Vorsicht, das ist etwas anderes als Damen der Aufklärung!) oder über die „Tragödie der Aufklärung“ (so
Peter-André Alt: Die Tragödie der Aufklärung, 1994; bei google 2.100 Links).
d) Weitere verfeinerte Möglichkeiten,
Literatur zu einzelnen Aspekten zu finden, bestehen natürlich auch: Dann muss man die Aspekte benennen und die Suche verengen, also z.B. „Adelskritik +Lessing“ oder „Adel +Bürger +Lessing“; die Schwierigkeit besteht darin, das richtige Stichwort zu erwischen, welches ein Autor gewählt hat. Ist also „Familie, bürgerliche Familie, Familienkonflikt“, „Vater-Tochter“ oder „Emanzipation“ das richtige Stichwort, welches man mit +Galotti (besser als +Lessing) kombinieren muss? Tipp: Die Suche verengen, aber nicht zu stark!
4. Ich fasse zusammen, nach welchen Aspekten man suchen kann:- Werk (E. Galotti),
- Autor (Lessing),
- Gattung (Drama; Tragödie; bürgerliches Trauerspiel - jeweils eine Verengung),
- Epoche (Aufklärung).
Bei der Gattung und auch bei der Epoche muss man darauf achten, dass es eventuell verschiedenartige Begriffe oder Aspekte (und damit Namen) geben kann.
Für die Epoche schaut man in eine Literaturgeschichte, für die Gattung (auch für die Epoche) in ein literaturwissenschaftliches Wörterbuch; zumindest den Schülerduden „Literatur“ sollte jeder kennen.
5. Für die
Suche im www habe ich euch vorgemacht, dass man verschiedenartige Begriffskombinationen prüfen (durchprobieren) muss und dass bereits der Unterschied zwischen Singular und Plural (Drama / Dramen; Analyse /Analysen) eine Verdoppelung der Nennungen bedeuten kann.
Jetzt müsste man natürlich noch die verschiedenen Suchmaschinen prüfen - das wäre übrigens ein Thema für eine Facharbeit: "Die Suche nach Literatur zu „Emilia Galotti“ im Internet (dabei Suchbegriffe und -maschinen auf ihre Ergiebigkeit oder Leistungsfähigkeit untersuchen!)".
P.S. Ihr habt hoffentlich bereits bemerkt, dass es
Hinweise über die Suche im www in diesem Blog
in der Kategorie "Wichtige Hilfsmittel" und
"Medien" gibt!?
Zum Schluss noch ein das
Loblied auf die Metasuchmaschine eTools (wenn man die kleinen Schweizer Sondersucher entfernt hat)!
Vgl. auch den Artikel "Semantische Hilfe beim Suchen" in der Kategorie "Medien" vom 4. Juni 007 und den Suchmaschinentest, ebendort, sowie weitere Artikel!