Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein? (FN)
norberto42 | 02 Januar, 2006 18:29
(oder von Sätzen im Text)
Ich versuche die sprachlich in den Adverbialsätzen und Konjunktionen artikulierten Möglichkeiten, Sachverhalte zu verbinden, darzustellen:
1. Es wird ein sachlicher Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten ausgedrückt:
Weil hoher Luftdruck herrscht, ist bei uns schönes Wetter.
2. Es wird ein zeitlicher Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten hergestellt bzw. ausgedrückt:
Während man die Kupplung loslässt, gibt man langsam Gas.
3. Es wird ein logischer Zusammenhang zwischen Sachverhalten ausgedrückt; dieser Zusammenhang besteht nur oder im Wesentlichen in den Gedanken oder der Sicht der Sprechers:
Obwohl es regnet, spielen die Kinder im Garten.
Diese drei Arten von Zusammenhängen nennen wir k a u s a l , t e m p o r a l und m o d a l .
Kausale Zusammenhänge (beim Begründen, Folgern) sind die von
- Grund und Ereignis (kausales Verhältnis),
- These und Argument (kausales V.),
- Ereignis und Folge (konsekutives V.),
- Handlung und Mittel (instrumentales V.),
- Bedingung und Ereignis (konditionales V.),
- Absicht (Ziel) und Handlung (finales V.).,
- Zweck und Konstruktion (finales V.).
- Kausale Zusammenhänge werden beim Erklären aufgezeigt.
Temporale Zusammenhänge sind die der Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse sowie der Vorzeitigkeit oder Nachzeitigkeit des einen zum anderen. Temporale Zusammenhänge werden beim Berichten und Erzählen genutzt.
* Bestehen diese Zusammenhänge nur für Betrachter?
Modale Zusammenhänge sind die von
- Anreihung, Aufzählung von Dingen (kopulatives Verhältnis),
- Auschluss einer Möglichkeit (disjunktives V.),
- Vergleich von zwei Größen (komparatives V.),
- Bestimmung des Verhältnisses von Größen (proportionales V.),
- Einräumung des Gegengrundes, des Einwands (konzessives V.),
- Einschränkung einer Aussage (restriktives V.),
- Gegensatz zwischen Dingen oder Beziehungen (adversatives V.),
- Feststellung des Fehlens von etwas, Vermissen (?).
- Beim Bewerten und Argumentieren muss man auch modale Beziehungen herstellen können.
Das System der Nebensatzkonjunktionen
* Wir untersuchen hier nur, wie die unterordnenden Konjunktionen Neben- mit Hauptsätzen verbinden (Satzgefüge), also Zusammenhänge herstellen oder ausdrücken, und im Hinblick darauf, welche inhaltliche Bedeutung sie haben.
* Wir folgen hier insgesamt dem Schülerduden Grammatik, 4. Aufl. 1998 [Nr. 576 ff.]:
1. das kausale Verhältnis [581 ff.]
So wird die URSACHE eines Geschehens, das MOTIV einer Handlung, (der GRUND oder) die BEGRÜNDUNG einer Aussage bezeichnet; es wird etwas erklärt oder begründet.
(1) Weil es stark regnete, sind wir zu Hause geblieben.
2. das konditionale Verhältnis [593 ff.]
Damit wird die BEDINGUNG eines Geschehens oder die VORAUSSETZUNG, unter der das im Hauptsatz Gesagte gilt, genannt:
(2) Falls es stark regnet, fällt die Wanderung aus.
3. das finale Verhältnis [600 ff.]
Davon spricht man, wenn im Nebensatz die ABSICHT des Handelnden, das ZIEL einer Handlung oder der ZWECK eines Gegenstandes ausgedrückt wird.
(3) Damit wir rechtzeitig heimkehren, nehmen wir das Auto.
(3)' „Ich habe nicht die Mittel, um das zu bezahlen.“ - Sätze dieser Art wollen wir hier nicht berücksichtigen.)
4. das konsekutive Verhältnis [606 ff.]
Dieses liegt vor, wenn im Nebensatz die FOLGE oder WIRKUNG des im Hauptsatz bezeichneten Geschehens (oder Sachverhalts) angegeben wird.
(4) Die Trockenheit dauerte lange, sodass die Ernte verdorrte.
5. das konzessive Verhältnis [616 ff.]
Was im Nebensatz gesagt wird, steht im sachlichen GEGENSATZ zu dem im Hauptsatz bezeichneten Sachverhalt, reicht jedoch nicht aus, diesen außer Kraft zu setzen; manchmal besteht der Gegensatz darin, dass etwas bloß anders geschieht, als der Sprecher erwartet hat (bzw. man normalerweise erwartete).
[Concedo (lat.): ich räume etwas (Widersprüchliches o.ä.) ein.]
(5) Sie unternahmen eine Bergtour, obwohl Regen angekündigt worden war.
6. das adversative Verhältnis [623 ff.]
Dies besteht in einem GEGENSATZ zwischen dem in beiden Sätzen Gesagten, ohne dass eine innere sachliche Beziehung zwischen den Sachverhalten bestände.
(6) Ich muss arbeiten, während ihr euch ein schönes Leben macht.
7. das modale Verhältnis [643 ff.]
Unter der Bezeichnung „modal“ werden Gruppen von Nebensätzen zusammengefasst, in denen die UMSTÄNDE genauer angegeben werden, unter denen das im Hauptsatz genannte Geschehen gilt.
* Da ist zunächst der VERGLEICH, der im Hinblick auf Gleichheit oder Ungleichheit angestellt werden kann:
(7) Es ergeht ihr so, wie es allen Anfängerinnen ergeht.
(8) Beim Fest ging es ruhiger zu, als es sonst im Dorf üblich ist.
* Eher „instrumental“ ist das Verhältnis, wenn angegeben wird, mit Hilfe welcher MITTEL oder unter welchen UMSTÄNDEN ein Geschehen ausgeführt wird:
(9) Indem sie ihn in den Fluss tauchten, tauften sie ihn.
* Manchmal soll auch ausgedrückt werden, das das Geschehen des Nebensatzes das des Hauptsatzes begleitet („komitativ“):
(10) Sie stritten sich, wobei sie sich beschimpften.
Es kann natürlich auch ausgedrückt werden, dass ein Geschehen das andere nicht begleitet:
(11) Sie diskutierten hart, ohne dass sie böse wurden.
Es gibt jeweils auch andere sprachliche Möglichkeiten, ein bestimmtes Verhältnis auszudrücken, etwa durch ein Adverb oder durch semantische Äquivalente. Einen Überblick über beiordnende Konjunktionen gibt der Schülerduden Grammatik unter Nr. 350: anreihende K., ausschließende K., einschränkende K, begründende K. und vergleichende Konjunktionen.
Es gibt weitere gedankliche Operationen, die aber mit anderen sprachlichen Mitteln vorgenommen bzw. ausgedrückt werden, z.B. die Verallgemeinerung, die Zusammenfassung, die Bewertung u.a. - Uns fehlt ein umfassendes System der Bezeichnung des sprachlichen Handelns.
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