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Übersetzen - Übersetzungen

norberto42 | 02 Januar, 2006 21:38

Übersetzer werden schlecht bezahlt; vielleicht ist das mit ein Grund, dass Übersetzungen oft miese ausfallen. So wird in dem interessanten und klugen Buch Dietrich Dörners (Bauplan für eine Seele, 1998/2001) im Moral-Kapitel auf das Buch „Ecodynamics“ (1978) des Amerikaners K. E. Boulding zurückgegriffen; Dörner führt dann mit Berufung auf dieses Buch „Legitimität“ (in Anführungszeichen!) ein (S. 327), wo man auf Deutsch normalerweise von Anerkennung spricht. Im gleichen Zusammenahng spricht er von externaler und internaler Legitimität. Vermutlich steht im Original „external legitimacy“; für legitimacy hier also besser „Anerkennung“, für external „extern“ - external ist bloß die „deutsche“ Schreibweise eines englischen Wortes! Im Deutschen gibt es das Wort „external“ nicht, aber laut Duden bereits als lat.-engl. Bildung „externalisieren“ (psycholog. Fachbegriff).

Auf die gleiche Unsitte, englische Wörter einfach deutsch zu schreiben, bin ich zum ersten Mal bei einem Buch von Prigogine gestoßen, der von mir unbekannten Trajektorien sprach (trajectory), statt einfach „Flugbahn“ zu sagen - d.h. vermutlich war es der „Übersetzer“, der keine Lust oder keine Zeit hatte, trajectory nachzuschlagen.
Manchmal spricht auch fachliche Inkompetenz aus verqueren Übersetzungen. So habe ich einmal in einer Übersetzung aus dem Amerikanischen „Tod der Gottesbewegung“ gefunden. Das ist natürlich völliger Nonsens! Im Amerikanischen m u s s death-of-God-movement gestanden haben, und das heißt auf Deutsch einfach „Gott-ist-tot-Theologie“ (nach dem Strickmuster von D. Sölle u.a.). Der ahnunsglose unglückliche Übersetzer hat „God-movement“ als Einheit genommen und als Attribut zu death „verstanden“, während „death-of-God“ die semantische Einheit ist, die eben mit Nietzsche „Gott-ist-tot“ zu übersetzen ist.

Sachlich ist Übersetzen natürlich ein großes Problem; in Straelen am Niederrhein gibt es ein Institut mit vielen Fachlexika, in denen professionelle Übersetzer sich umsehen können - niemand kann ja die Fachbegriffe aller Bereiche kennen. Eine Lösung wäre es, wenn Übersetzer im Bereich ihrer Kompetenz blieben (oder so exzellent wären wie weiland etwa Monika Plessner) oder wenn ihre Arbeit besser bezahlt würde, d.h. wenn sie sich mehr Zeit für ihre Arbeit nehmen könnten.

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